Superman 77: Realnamen, Pseudonyme, Usenet und Weblogs

Posted by Oliver Gassner • Wednesday, July 14. 2010
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Heinz Wittenbrink reagiert in "Furchtlose Rede" oder "Anonyme Feiglinge": Warum Kommentatoren ihre Namen nennen sollten auf eine Diskussion um anonyme oder pseudonyme Blogkommentatoren. er wiederum war von Martin Weigerts Einlassung zu diesem Komplex angeregt worden.

Ein paar Beobachtungen dazu.

I.
Die Realnamendebatte ist alt. Wir haben sie im Usenet ausführlich diskutiert im Kontext mit der Netikette. Meine Frage war da immer: "Würden Sie mit einer maskierten Person an der Haustür diskutieren?" Ich hatte auch den Fall, dass das Telefon klingelte und jemand guten Tag sagte und mit mir über etwas sprechen wollte, was er im web gefunden hatte. Ich fragte, mit wem ich spreche. er sagte, sein Name tue nichts zur Sache. Da hab ich kommentarlos aufgelegt. Das Nennen eines Namens gehört finde ich zu den minimalen Gepflogenheiten der Gesellschaft.

II.
Pseudonyme und Künstlernamen sind eine andere Sache. Wer weiß schon, wie Wau Holland (RIP, Alterspräsident des CCC) wirklich mit Vornamen hieß? Während bei Kosmar noch viele spontan sagen können, wie er heißt, dürfte das bei padeluun schon schwerfallen (mir jedenfalls). Und ich hab null Ahnung, ob Rena Tangens wirklich so heißt oder nicht. Und bei Endergone Zwiebeltüte stand angeblich das Pseudonym als Künstlername sogar im Pass. Legenden wie Kibo, die im Usenet beinahe religiösen Charakter haben, kommen dazu.
Für mich elevant ist, dass hinter so einem Pseudonym eine stabile Identität steht. Was mir einmal passiert ist: Ein anonymer Blogger schrieb einen Artikel, in dem er meinen Namen und den einiger anderer Leute in sehr unfreundlichem Kontext einer 'Liste' hinzufügte. Nachdem ich Jahre später mit dem Blogger via Twitter recht" nett" plauderte und ihm geholfen hatte (ich weiß bis heute nicht, wer es ist), wies ich ihn auf den alten Artikel hin. Er sagte, das habe er gar nicht geschrieben und löschte den Artikel. D.h entweder handelt es sich um ein Gruppenpseudonym (man google mal Monty Cantsin oder suche Karen Eliot bei Facebook) oder da hat ein 'Alliierter' des Bloggers dessen Pseudonym benutzt, um sich selbst nicht (juristisch) zu exponieren und einfach nur üble Nachrede zu verbreiten. D.h. wenn ich nun das Blog lese, kann ich nie sicher sein: Ist das die nette Twitterperson oder der Typ, der mich unfreundlich behandelt? Welchen Inhalten von wem vertraue ich?

III.
Ein anderer pseudonymer Blogger (der sich Dritten auch schon offenbart hat) ist gelegentlich in Kommunikation mit mir. Ich schätze ihn als extrem kompetent ein. Ihm bei Twitter zu folgen sehe ich nicht als Problem, aber wenn ich eine 'Unperson' als Kontakt in einem Social Network habe (bei XING erst recht), will ich auch wissen, mit wem ich es zu tun habe.

IV. Stabilität und 'für etwas einstehen' denke ich sind für mich hier relevant. wenn jemand mit Pseudonym nur pöbelt und nicht argumentiert, dann bin ich kaum geneigt, das Gespräch ernst zu nehmen. Das hat mir den Spaß am Schreiben in Telepolis gründlich vermiest und gerade solche Umgebungen machen den Abscheu der Journalisten vor den 'Online-Pöbleren' vollkommen verständlich. Würde heise Realnamen einfordern (jaaaa, auch da kann man hinschreiben, was man will), dann würden zumidenst einige etwas hilfreicher argumentieren, wenn auch das was da steht ihnen nicht gefällt.

V.
Was Blogkommentare angeht sind mit Realnamen oder Pseudonyme egal (sofern sie nicht eindeutig aus SEO-Gründen gewählt werden). Wichtiger ist mir, dass es kein Scheinkommentar zu SEO Zwecken und keine Pöbelei ist. Dem einen wird das Link entfernt, der andere wird gelöscht. meine Hauptkommentarmoderationsregel ist: "Wer sich wie ein Gast benimmt, wird wie ein Gast behandelt." Und bei mir heißen Gäste normalerweise nicht "Superman77".

***
Und:
Da immer mal wieder ein Autor darauf verweist, dass er 'unter Synonym' publizieren will, verweise aich auch mal auf meinen artikel zum Nym-Komplex:
Anonym, Pseudonym, Synonym, Antonym, Homonym - ein Grundkurs Comments (3) | Trackbacks (0)

RSS und ich und warum es alles andere ist als tot

Posted by Oliver Gassner • Wednesday, July 7. 2010
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Robert berichtet in Google Buzz, das neue RSS-System übver seinen Umgang mit RSS und was es ersetzt.

meine KOmmentare dort dazu auch hier:


Ich nutze Feedreader seit Jahren als Themencluster. D.h. so wie Martin Kosersortiere ich die Feeds thematisch so dass ich WENN ich recherchieren will, aktuelles Material vor mir habe.
Die Anzahl der Blogs oder Podcasts die ich ‘lese/sehe/höre ist minimal im Vergelich.
ich gebe mich allerdings auch nicht der Illusion hin, mein Feedreader sei eine Mailinbox, die abzuarbeiten wäre.
“Leerlesen” habe ich schon 1992 im Usenet aufgegeben ;)

“Leerlesen” tue ich nur die Feeds von Kundenblogs, die ich begleite, und wenn es 10köpfige Redaktionen sind, die da täglich was schreiben, dann gehe ich da auch nur quer drüber und picke mit Positiv-Beispiele bzw. problematische Taktiken raus und sehe mir das genauer an.

Aktuelle Infos ziehe ich aus Twitter, Twitter Digests (RivvaSocial, paper.li & Verwandtes), Buzz, Rivva und andere Aggregatoren.

ABER:

Natürlich beruht das alles auf Feeds und RSS/POubHubSubbub etc.pp., gell? ;)

Insofern ist die Aussage, RSS sei irgendwie tot genau umzudrehen:

RSS ist die Basis aufgrund dessen alles "tut".

Man könnte genauso sagen dass es wegen wisiwyg in Wordpress kein HTML mehr "gibt" oder wegen Handys kein TCP/IP mehr.

Bloß weil man es nicht sieht ist es nicht ‘tot’. ;)
(Ist seit Jahren meine Rede, dass RSS insofern “irrelevant” ist (ob Leute es kennen und nutzen z.-B.) als es seine Aufgabe ist, irgendwann so unsichtbar zu werden wie HTML und TCP/IP.)

(Ergänzend zum kommentar dort.)

Aber in der Tat sind eventuell Feedreader tot. ich hab in den ersten Monaten meiner Twitternutzung (Dez-März 1006/2007) auch kaum in meinem Feedreader gesehen, weil alles was dort wichtig war auch wie Gezwitscher kam.
Eventuell ist auch das der Grund, warum 'unzweinullige Menschen' Twitter nicht verstehen ODER als Nachrichtenkanal (=RSS-READER-Ersatz) nutzen.

Wie wird man Mitglied in einer Google Group?

Posted by Oliver Gassner • Saturday, June 26. 2010
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(Diese Beschreibung ist noch 'beta'. Verbesserungsvorschläge?)


Google Groups ist ein Dienst, der Zugang zu zwei verschiedenen Arten von 'Diskussionsumgebungen' schafft.
- Dem Usenet (/einem der ältesten Gruppendienste des Netzes)
- sogenannten 'Mailinglisten': Informationsverteilern, die man als Newsletter oder Diskussionsumgebung per Mail nutzen kann (ähnlich alt wie das Usenet)

Um Google Groups zu nutzen benötigt man ein Google-Konto (d.h. einen Login für Google).

Als diese kann dienen
- eine bestehende Google-Mailadresse
- eine beliebige Mailadresse, die man als Google-Konto registriert (dann wird die Mail auch dorthin geschickt)

In ersten Falle gibt man einfach die Google-Mailadresse und deren Passwort beim Login in GGroups ein.

Im zweiten Falle klickt man auf "Konto einrichten".
- Dort trägt man die bisherige Mailadresse ein
- und wählt ein Passwort, das man 2* eintippen muss.

Danach kann man eine alias (Spitznamen) wählen (der richtige ist hier das beste ;) ), seinen Standort angeben (wichtig wegen Uhrzeiten) und den Geburtstag angeben (manche Listen sind 'ab 18', deshalb sollte man zumindest das richtige Jahrzehnt ansteuern).

Und natürlich muss man noch ein verzerrtes Wort entziffern und abtippen. (Um zu beweisen, dass man kein Roboter ist.)

Dann kann man wenn man mag die Nutzungsbedingungen lesen, abnicken muss man sie aber ;)

Danach bekommt man eine Mail an die angegebene Adresse in der man ein Bestätigungslink klicken muss - um abzusichern, dass dass Dritte einem nicht einfach anmelden können.

Danach kann man sich auf der Seite der Google-Group, der man beitreten will, mit Mailadresse und Passwort anmelden.
Jeder dieser Gruppen hat eine ganz bestimmte Webadresse, auf der man alle Aktionen und Einstellungen (auch das Abbestellen) vornehmen kann, sofern man eingeloggt ist.

Dort wird man dann Mitglied und kann ab sofort mit der genannten Mailadresse als Absender/Empfänger an der Diskussion teilnehmen.

Das soziosemantische Web: Das Ende der SEO?

Posted by Oliver Gassner • Sunday, May 2. 2010
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Mal wieder eine Antwort auf ein XING-Dings (immerhin ein Thread mit 134 artikeln und 5.996 Views ;).
Hier:
SEO uninteressant! - Vertrieb & Verkauf | XING

Spannender Chat-Thread. ;)

Den Nagel auf den Kopf trifft wohl https://www.xing.com/net/pri7e1714x/vertrieb/aktuelles-thema-web-2-0-vertrieb-347022/seo-uninteressant-29691376/29797409/#29797409 .

EW spielt hier AIDA, und davon nur den ersten Akt: Attention. Wie ersiees den zweiten bis vierten Akt spielt oder gar den 5 (Exit?), wäre natürlich spoanned zu erfahren. Manche fragen vielleicht direkt statt hier . ;)

Aber ohne ersten Akt kein letzer ;)
Meine Taktik ist die EW (in dieser Form) zwar nicht, aber das Thema SEO vs. Semantic Web/Live Web (3.0 lassen wir mal, das heißt nix) ist spannend. (Gesrtern hab ich vor dem Frühstück ein kleines Konzept geschrieben, in dem das schöne Wort "soziosemantisch" vorkommt, manche wenige Suchdienste arbeiten schon so: Suche am Social Graph).

Wenn Medienpages mehr Traffic aus Facebook haben als von Google (oder eventuell nicht emhr alber vielelicht releventeren, weil sozial vermittelten?), dann bestimmt nicht mehr der PageRank sondern der Social Graph, was ich wahrnehme oder worauf ich achte.

Wenn 1/3 aller Netznutzer( hab ich so im Hinterkopf, hat jemand Zahlen? 700 Millionen) bei FB sind, warum sollten sie dann den Google Suchschlitz verwenden statt den von Facebook?

Anders gesagt: Mein XING-Status landet auch auf Twitter und deswegen auch bei Facebook.
ein Blog und Google Buzz vervollständigen das 'Minimalset'.

Wenn ich provozieren will, sag ich immer: Man braucht kein SEO, man braucht nur ein Blog. (Und das wissen, wie man das Benutzer-, Nachfrage- und (psst) suchmaschinenfreundlich aber eben auch: SocialWebFreundlich gestaltet und betreibt.

Aus dem Web der Links ist das web der Gespräche geworden (die es auf Mailinglisten, Usenet und Foren ja schon ewig gibt.

Landigpageoptiierung und Linkgenerierung ist mit schwarzgrauweißem -SEO-Hut sicher eine schöne und lohnende Beschäftigung.
Kompetenz, Vetrauen, Beziehungen und Networking finden im 'social'-Teil der Veranstaltiung statt.

Darüber wäre spannender zu reden gewesen als über die Humorqualität halber Schnitzel in Andernach am Rhein ;)


Grüße
OG

PS:
http://www.google.de/search?hl=de&q=%22soziosemantisch%22&meta=&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 45 für "soziosemantisch" *grins*
PPS: Mein Lieblingswort aus diesem Thread ist übrigens "SEO-Optimierung" *g*

Individualität und das Kollektiv im Social Web

Posted by Oliver Gassner • Monday, March 8. 2010
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In seinem Aufsatz zu Enterprise 2.0 in "Die Kunst Loszulassen" definiert David Weinberger das Web 2.0 grob als die Kombination von Interoperabilität der Applikationen (durch APIs, XML/RPC und RSS etc.) und User Generated Content. Also: Mitmachweb und Mashups.

Dies ist eine Kombination aus zwei Komponenten, die immer wieder unter verschiedenen Aspekten die Diskussion um das Social Web begleiten: Datenschutz, Crowdsourcing, Wisdom of Crowds, Power Law, A-Blogger, Citizen Journalism, Long Tail, Aggregation, DRM vs. Open Source/CC - hier wird immer wieder zwischen den Interessen und Leistungen des Individuums und den Interessen von Staat, Firmen/Wirtschaft und 'dem Kollekiv', der Gesellschaft abgewogen.

Grund genug, sich (wiederum eher essaysitische denn vollständige) Gedanken zu diesem Begriffspaar zu machen. Auch hier gilt wie bei früheren Artikeln: An sich wär das ein Thema für eine ganze Buchreihe.

Das Individuum im Netz

"Personal Publishing" das war eine Zeit lang das Stichwort, unter dem sich Kommunikate wie Hompages, Weblogs, Podcasts, Online-Video und ähnliche Phänomene subsumieren ließen. So wie die Druckerpresse, das Hektographiergerät oder der Fotokopierer ermöglichte die neue digitale Netztechnologie eine neue Form des Publizierens und lässt erneut die Kosten einer Publikation schrumpfen.

Plötzlich 'lohnt es' auch Nischenmärkte zu bedienen, denn es kostet fast gar nichts mehr, einen Text oder ein Video zu produzieren, zu verbreiten oder vorzuhalten. Damit rücken die Themen auch näher an die Menschen: Mehr von dem, was nur einige interessiert ist im vergoogelten Netz auch auffindbar. Dass sich nicht alle diese persönlichen Interessen mit Gesetzbüchern oder Moralvorstellungen und der politischen Agenda in Passung zu bringen sind, enerviert dann wieder Politik und Gesellschaft.

Dass hier - wie auch bei frühen Druckerzeugnissen - die Individuen zu ihrem Schutz nicht selten unter Pseudonym auftreten, verwundert nicht. Offenbar vertragen sich Alltagsrolle und Rolle des "Digital Pionieer", des "Explorierenden in neuen Räumen" sozial zunächst nicht miteinander. Andeerseits zeigen sich in Netzen wie XING, Facebook und "Wer kennt Wen", dass das keien notwendige Bedingung des digitalen Engagements ist und dass eine Koppelung von Netzwelt und realem Umfeld fortschreitet.

Übergänge zur Gruppe
Für das Individuum und seine meist ja legalen Bedürfnisse allerdings ist das Netz der Rau, Gleichgesinnte zu finden und von Gleichgesinnten gefunden zu werden. Es entsteht ein zunächst kleiner aber wachsender Raum für Austausch, Diskussion, Information und Kreativität.

Spätestens wenn nicht nur die Interessen von Individuen sich vernetzt digital zeigen, sondern auch ihre Beziehungen, wird das Netz zu einem 'Medium' auch für das "Soziale an sich": Partnersuche, gemeinsame Aktivitäten, politisches und bürgerschaftliches Engagement. Das Digitale schwappt ins Reale über, das scheinbar der Realität entfremdete wird plötzlich sehr greifbar.

So wie die Druckerpresse final zum Abstieg von Kirche und Adel als Herrschende geführt hat, wird auch der digitale Raum und seien Dialoge langfristig den Individuen die Möglichkeit geben, die Welt, in der sie leben, stärker zu formen.

Das Netz begann früh, interaktive Gruppenbildung zu fördern: Durch Mailinglisten, Usenet, IRC und MUDs. Das waren zu Frühzeiten des Netzes bereits digitale Räume, in der es nicht nur um Distribuierung von Rechenzeit (das war der erste Einsatzzweck des ARPANET) sondern primär der Interaktion zwischen Individuen in der Gruppe gewidmet waren. (Man lese dazu auch "Where wizards stay up late", eine sehr instruktive Geschichte des 'frühen Internet'. Link siehe unten...)

Das Netz der Gruppen

Neben dem User Generated Content (UGC) führt Weinberger als zweite Komponente des Web 2.0 auf, dass Applikationen interagieren können. Das wirkt relativ abstrakt, aber man kann sich ansehen, was durch sich massierenden UGC entsteht:

* bei Flickr enstehen riesige Archive von verschlagworteten Fotos - keine Geschichtsepoche wird so lückenlos in Wort, Bild und Ton dokumentiert sein, wie unsere (Fotos gab es schon früher, aber sie verschwinden, weil sie 'real' waren. Tn und Filmdokumente zerfallen. Der Archivierung des Digitalen widmen sich inzwischen auch global die nationalen Archive der Länder.)
* die Blogosphäre erzeugt ein gigantisches Netz gegenseitiger Verlinkungen, auf das Google weider seinen Ranking-Algorithmus anwendet und Relevantes von Irrelevantem scheidet
* bei delicious.com ensteht ein gigantisches Netz verschlagworteter Links
* Wikipedia erzeugt im Spannungsfeld von rigiden Regularien und kreativem persönlichem Einsatz vieler eine umfassendes Nachschlagewerk
* Firmen lagern Kreativprozesse oder Forschung aus und importieren so ständig neustes -und telweise bereits anderswo vorhandenes- Know-how
* Webseitenbetreiber wie Amazon oder XING analysieren das Verhalten ihrer User und optimieren ständig ihre Angebote

So wird ganz konkret täglich Wert erzeugt, mal im Dialog, mach durch technische Umformung dessen, was Einzelne "im Schwam tun."

Die These, dass hier ein 'neuer Maoismus' drohe (Lanier) scheint mir eher eine elegante Selbstverkaufsmasche,denn ein sinnvoll stützbares Argument: Es fehlt sowohl die quasireligiöse Zentralinstanz als auch die Gewalt, mit der eine Gleichschaltung stattzufinden hätte.

Was sich an 'Macht' in solchen Kollektiven bildet, scheint eher anthropologischen Konstanten geschuldet denn Verschwörungen der Wenigen. (Clay Shirky, Power Laws)

Dass solche Kollektive oder Schwärme auch politische Relevanz haben, hat man bei den Petitionen zu bedingungslosem Grundeinkommen und Netzsperren gesehen. Ob eine vermehrte Diskussion den BGE oder das Einknicken auch der SPD bei den Netzsperren nun auf den 'Druck der Drähte' zurückzuführen war oder von Beginn an bloße Wahlkampftaktik, wird wohl offen blieben müssen.
Gelegentlich geraten solche Aktionen außer Kontrolle - wie ein Flashmob auf Sylt - oder kollidieren mit gesetzlichen Regelungen - wie die ursprünglich als Kunstaktion intendierten Flashmobs als Streikform im Arbeitskampf.

Fakt ist, dass sich das Netz als politischer Raum etabliert und mehr Themen aufgreift als nur Netzpolitik im engeren Sinne.

Aus den digitalen Kollektiven werden gesellschaftlich relevante Gesprächspartner, der digitale Raum wird zu einem der Räume, in denen politischer und gesellschaftlicher Diskurs stattfindet.
Dass das neue Medium als Sündenbock herhalten muss, wenn es die Gewalt und das Verbrechen, die in der Gesellschaft existieren, ebenfalls enthält und widerspiegelt das ist eher ein Teil des altbekannten Diskurses 'neues Medium' der seit Sokrates/Platon in immer neuen Varianten durchgespielt wird, als ein Verteidigungsreflex der etablierten Strukturen. [Dieser Satz ist waffenscheinpflichtig, kann den mal jemand umbauen? Danke ;) - OG]

Auf den Einwand der Marginalität von digitalen Räumen habe ich kürzlich bei Google Buzz geschrieben: "Wenn man mit dem Netz die Welt nicht retten kann, dann ist es mir egal."

Zusammen mit einigen Visionären der frühen Netzwelt glaube ich wirklich, dass wenn dieser Planet eine Chance hat ein paar seiner Probleme mindestens einzurenken, dann durch globale, digital vernetze Kreativität von Individuen und Gruppen.

Um nichts weniger geht es hier.

***
Erwähnte Bücher:;


Warum es keine Digital Natives gibt

Posted by Oliver Gassner • Thursday, March 4. 2010
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"Als Digital Native werden Personen bezeichnet, die zu einer Zeit aufgewachsen sind, in der bereits digitale Technologien wie Computer, das Internet, Handys und MP3s verfügbar waren. Als Antonym existiert der Digital Immigrant, der diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat."

Digital Native @ Wikipedia

An sich müsste man über dieses Thema ein Buch schreiben.

Ich werde es bei ein paar ausschweifenden und eher essayistischen Bemerkungen bewenden lassen.

Der Digital Native wird aktuell in Gesellschaft und Medien als Retter gehandelt: Wären nur alle wie er, so wäre alles gut: Firmen würden alle mit voll beschreibbaren Wikis arbeiten (mit Kunden und Partnern zusammen), wir alle würden bloggen und daraus die Zeitung per KI generieren und überhaupt würden wir dann einfach über alles reden und es auszudiskutieren.

Digital Natives sind technisch versiert, neugierig und kompetent, bringen sich neue Skills selbst bei und sind wunderbare Kommunikatoren.

Alles einwandfrei.

Aber der 'Digital Native' ist eine Metapher, ein Bild. Wenn nicht gar ein Marketing-Begriff für eine Zielgruppe. Begriffe kann man mal genau angucken, das möchte ich hier tun.

->

Continue reading "Warum es keine Digital Natives gibt"

Warum 'Web 2.0' ein doofer Begriff ist

Posted by Oliver Gassner • Tuesday, December 1. 2009
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Diese Präsentation ist vom Sommer 2006 (für den Webmontag Karlsruhe) und an sich hat sich da wenig geändert:

Warum 'Web 2.0' ein doofer Begriff ist.

(Das ist übrigens html+javascript +css = 5S = Simple Standard Slide Show System und läuft auch nach 3 Jahren noch wie ne eins ;) Man kann's aber schwer nach Slideshare stellen ;) Vielelicht sollte ich das mal als meinen ersten Screencast machen?)

Die Argumentation in groben Zügen:
- Als Beispiele für Web 2.0 verwendet O'Reilly in seinem Artikel eine ganze Reihe Onlinedienste, die NICHTS miteinander gemein haben (außer, dass sie 'anders' sind als alte.)
- Am Ende seines Textes listet er diverse Kriterien auf, dei zu web 2 gehören. DAMIT aber etwas Web2 ist, MUSS es nicht alle oder auch nur bestimmte dieser Kriterien erfüllen. (d.h. keines dieser Kriterien ist hinreichend oder notwendig.)

Begriffe benutzen wir allerdings um gleichartige und somit definierbare Mengen an Dingen zu umfassen. Der Begriff Web 2.0 ist allerdings keiner.


Als Konsequenz reden 2 Leute über Web 2 und der eine meint UGC und der andere AJAX.

FAIL.

Als Ausweg schlage ich in der Präsentation (die übrigens 5 Minuten dauert und 56 Slides hat ;) ) vor, dass man stattdessen einfach das bennent, worüber man reden will: kontextsensitive Werbung, Folksonomy, Tagging, Aggregation, Widgets etcetc. Denn in der regel redet man ja nie über Web2 allgemein (was, wie wir jetzt wissen, ja auch sprachlogisch schon gar nicht geht), sondern immer über einen konkreten Ausschnitt davon.

So wie im Falle des kürzlich hier erwähnten problematischen Begriffs 'Social Media' dient ein solches Plattgeklopfe von Begriffen zwar dem Marketing ("ah ja, das hör ich dauernd, das ist wohl wichtig") aber nicht der Kommunikation und dem verstehenden Gespräch.

Mein eigenes Vorgehen:
Im "Elevatorpitch" (wenn ich kurz erkläre, was ich tue) sag ich eventuell einmal Web 2.0 oder Social Media, bevorzugt aber (wenn aus dem Kontext des Gesprächs klar ist, dass die Leute eh wissen worum es grob geht) nur "Social Web" und rede dann später NUR noch über das was Sache ist, also Weblogs, Podcasts, RSS, Widgets, Social Networks, Facebook, XING etc.

***

Gegen den begriff Web 2.0 ließe sich natürlich noch allerlei mehr einwenden
- keines der Konzepte ist neu
- viele Ideen gehen auf das Vor-web-netz zurück (Usenet)
- man kommt nur in ne blöde Versionsübertrupferei (Web 3 als web 3D oder als Semantic Web), und Web 4?
- Es erzeugt die Irritation es sei eine Softwareversion
- (eure Vorschlag in den Kommentaren)

Oder gibt es jemand der diesen Unbegriff verteidigen will? ;)
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